Joachim Casparys Website

 

 

Fernreisen in Zeiten des Terrors?  

Liebe Reisefreunde,

dass die Anschläge des 11. September 2001 in Amerika die Welt verändern, haben wir inzwischen alle gemerkt. Für viele stellt sich nun die Frage: Soll ich mit schlechtem Gefühl in ein Flugzeug steigen oder lieber zu Hause bleiben?

Der internationale Terrorismus ist eine der Schattenseiten der unvermeidlichen Globalisierung. Zu den Hauptursachen gehören die ungerechte Verteilung des Wohlstandes,  die Unterdrückung von Menschenrechten in den Krisengebieten, sowie die teilweise Unterstützung der betreffenden Regime durch die den "Westen". Außerdem neiden Menschen, die in geschlossenen Systemen mit vielen Lebensregeln aufwachsen denjenigen, die in entwickelten, offenen und demokratischen Gesellschaften leben, deren Freiheiten und möchten sie in die Steinzeit zurückbefördern. Wie sollen wir auf die Bedrohung reagieren? 

Wir können jetzt, wie bei jedem Druck, nachgeben oder Widerstand leisten. Nachgeben bedeutet, aus Angst vor Gefahren, diese meiden: Wir steigen in kein Flugzeug mehr ein, aus Furcht vor einer Entführung; wir fahren nicht mehr U-Bahn, aus Furcht vor Giftgas, wir besuchen keine Veranstaltungen aus Furcht vor Bakterien. Wir fragen uns, ob wir unsere Post überhaupt noch öffnen dürfen. Es genügen dann schon Drohungen und Gerüchte, um diese Haltung zu verstärken. Die Folge: Unser ganzes Leben verändert sich negativ, viele Industriezweige gehen zu Grunde, die ganze zivilisierte Welt gerät in eine Rezession und auf den Weg zurück in Armut, Abschottung, Endzeitstimmung usw. Nicht nur bei uns; auch in den Ländern in die wir nicht mehr reisen. Damit haben die Terroristen ihr Ziel erreicht, und wir haben ihnen dabei kräftig geholfen.

Oder wir stellen uns der Bedrohung und bekämpfen sie. Wir gehen nicht in die Knie, werden nicht hysterisch, lassen uns unsere Lebenskultur nicht von Fundamentalisten diktieren. Die genannten Risiken sind begründet, aber konkret für jeden Einzelnen äußerst gering. An andere Lebensrisiken haben wir uns auch gewöhnt und nehmen Sie in Kauf: Wir fahren Auto, wir treiben Sport, wir begaben uns in fremde Länder. Wir sollten den Kampf gegen den Terrorismus nicht den amerikanischen Soldaten und unseren Sicherheitsdiensten allein überlassen. Jeder kann mithelfen, indem er sich dem Terror nicht beugt.

Die Bedrohung wird nicht schnell vorüber gehen. Der Kampf kann lange dauern. Wir sollten wachsam sein und furchtlos. Reisen wir und pflegen den Dialog mit anderen Kulturen, helfen wir den Unterentwickelten nach Kräften, im Kampf gegen Hunger, Armut und Unbildung! So leisten wir unseren Beitrag dazu, die Ursachen des Terrorismus  auszutrocknen.

Joachim Caspary

Oktober 2001