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Der
"Pauschal-Abenteurer"
Ironisch-kritische Anmerkungen eines Touristikers Wer es sich leisten kann, lasst sich seine
"Abenteuerreise" von einem Reiseveranstalter komplett
durchorganisieren. Nachdem er Literatur und Kataloge mehr oder weniger gut
durchgearbeitet hat, schickt er dem Reiseveranstalter ein Fax, oder taucht bei
ihm nach vorheriger Terminabsprache auf, um sich ausführlich beraten zu lassen.
Aus verschiedenen, fertig ausgearbeiteten Reisevorschlägen in diversen
Katalogen, hat er die ihm vorschwebende Kombination ausgetüftelt und bittet den
Veranstalter um einen Preisvorschlag. Dieser wittert ein gutes Geschäft, nicht
wissend, dass der "Kunde" seine Wünsche bereits fünf Konkurrenten
ebenfalls vorgelegt hat. Diese, an sich nicht unlautere, aber geflissentlich
verschwiegene Vorgehensweise kommt dem Agenten oft schnell zu Ohren, da die
Kommunikationsfäden oft bei denselben Agenturen zusammenlaufen. Der
Veranstalter übersetzt und überarbeitet den Kundenwunsch und sendet ihn an
seinen Leistungsträger im Zielgebiet weiter. Dort werden Flug-, Bus- und
Zugfahrpläne gewälzt, Hotelpreise und -leistungen verglichen, Saisontarife
ausgerechnet, Wegstrecken und Marktöffnungszeiten eruiert, Sehenswürdigkeiten
gewichtet. Aus all diesen Informationen wird dann, unter Berücksichtigung der
Marktgegebenheiten und der Konkurrenzsituation die Idealform des Angebotes
erstellt und dem Reiseveranstalter unterbreitet. Der kalkuliert seine Kosten
hinzu, übersetzt alles, garniert es mit Langstreckenflugangebot und
Reiseversicherung und macht dem Kunden ein sauberes Reiseangebot. Der
Kunde prüft und vergleicht die Angebote der verschiedenen Veranstalter.
Inzwischen, besser informiert und auf neue Ideen gekommen, schickt der Kunde die
Angebote mit Änderungswünschen zurück an die diversen Veranstalter und das
Ganze nimmt erneut seinen Lauf. Letztendlich entscheidet sich der Kunde dann in
der Regel für das billigste Angebot. Außerdem kommt meist doch ein erstes
Angebot zum Tragen, da die Änderungswünsche oft nicht durchführbar sind, oder
das Budget des Kunden unerwartet aufblähen. Am
Flughafen des Ziellandes angekommen wird er vom Abholer der örtlichen Agentur
nicht sofort erkannt, weil er sich mit anderen Reisenden unterhält, die er im
Flugzeug kennen gelernt hat. Der Abholer erwartet einen Einzelnen und keine
Gruppe. Der Reisende besteigt kurz entschlossen ein Taxi, ohne den Preis
auszuhandeln und fährt zum gebuchten Hotel. Hier bezahlt er klaglos den völlig
überteuerten Taxipreis und beschwert sich beim Rezeptionisten lauthals über
die Agentur. Der Abholer, der den Gast verzweifelt aber vergeblich am Flughafen
gesucht hatte, erscheint wenig später um sich zu entschuldigen und erstattet
dem Gast den überteuerten Taxipreis aus eigener Tasche, um seinen Job nicht zu
verlieren. Natürlich erhält er an diesem Tag kein Trinkgeld, auf das er wegen
der miserablen Bezahlung durch die Agentur eigentlich angewiesen ist, um seine
zehnköpfige Familie zu ernähren. Joachim Caspary |